Warum lässt ein Präventionsspiel Jugendliche die Strategien von Tätern durchschauen?
Weil Täter dieses Spiel nicht brauchen. Sie kennen ihre Strategien längst. Wer sie nicht kennt, sind die Jugendlichen, auf die sie abzielen. Und uninformierte Jugendliche können leichter Opfer werden.
„Uuugh – Falsches Spiel“ zeigt Schritt für Schritt, wie Vertrauen aufgebaut, Grenzen verschoben und Abhängigkeit geschaffen wird. Wer das einmal von innen gesehen hat, kann es im echten Leben früher erkennen, bei sich und bei anderen. Der Täter gewinnt im Spiel nie.
Diese Entscheidung für den Aufbau und die Struktur des Spieles fiel auf Basis einer fachlichen Grundlage. Es gibt auch Fachkräfte, die das Spiel kritisch sehen, und das nehmen wir ernst. Auf eine kritische Stellungnahme vom April 2026 haben wir innerhalb von elf Tagen ausführlich geantwortet. Auf dieser Seite erklären wir, für wen das Spiel gedacht ist, wie wir die Risiken abgewogen haben und was wir aus der Kritik mitnehmen.
Prof. Dr. Jörg M. Fegert, PD Dr. Ulrike Hoffmann, Dr. Anna Eberhardt (Universitätsklinikum Ulm), Prof. Dr. Greta Hoffmann (TH Köln / Greater Games)
- Gespieltüber 2.200Spielende seit Release
- SpielzeitØ 38 Min.pro Gerät
- GeprüftUSK 12empfohlen ab 14 Jahren
- ZertifiziertRALGütezeichen Serious Games
- Ausgezeichnet1. PlatzSerious Play Awards 2026
Stand: Oktober 2026. Mehr zur Prüfung auf der Seite USK-Prüfung.
Für wen das Spiel gedacht ist
Für Jugendliche, nicht für Kinder. Das Spiel ist für Jugendliche entwickelt, die in Vereinen, Jugendgruppen und Freizeiten betreut werden. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hat es ab 12 Jahren freigegeben. Wir empfehlen es ab 14 Jahren. Für Kinder im Grundschulalter ist es nie gedacht gewesen.
Mit Jugendlichen entwickelt. Das Spiel wurde während der gesamten Entwicklung in mehreren Runden mit Jugendlichen getestet, unter anderem bei Pfadfindern, in offenen Jugendzentren, in kirchlichen Gruppen und beim Deutschen Roten Kreuz. In der letzten Testrunde vor der Veröffentlichung konnten drei Viertel der Jugendlichen danach mehrere Täterstrategien benennen. Mehr dazu unter Forschung.
Am besten begleitet. Am meisten kann das Spiel bewirken, wenn eine Vertrauensperson es anleitet und danach mit der Gruppe darüber spricht. Dafür gibt es eine kostenlose Begleitbroschüre. Sie richtet sich an Eltern, Betreuer*innen und Spieler*innen und bietet einen Ablaufplan, Gesprächsimpulse sowie Hinweise zum Umgang mit persönlichen Erfahrungsberichten.
Wenn es zu viel wird. Das Spiel kann jederzeit unterbrochen werden. Hilfe und Beratung gibt es rund um die Uhr, eine Übersicht finden Sie unter Unterstützung und Hilfe. Die Kontakte zu diesen Hilfsangeboten sind auch direkt im Spiel jederzeit abrufbar.
Kritik und unsere Antworten
Im April 2026 haben fünf Berliner Fachberatungsstellen das Spiel öffentlich kritisiert. Wir haben . Hier die Kurzfassung mit den einzelnen Vorwürfen und unseren Antworten.
Vorwurf: „Jugendliche lernen Täterrollen.“
Unsere Antwort: Das Ziel des Spiels ist es zu lernen, Täterstrategien zu erkennen, nicht sie anzuwenden. Das Spiel zerlegt Manipulation in ihre Phasen und ordnet jeden Schritt sofort ein. In unseren Tests vor der Veröffentlichung gaben 62 Prozent der Jugendlichen an, dass das Spiel ihnen hilft, Täterstrategien im Alltag besser zu erkennen. Genau das ist das Ziel.
Vorwurf: „Die Täterperspektive senkt Hemmschwellen.“
Unsere Antwort: Dafür gibt es keine empirischen Belege. Die Forschung zu Präventionsprogrammen zeigt keine negativen Effekte, wohl aber mehr Schutzwissen. Täterstrategien sind oft subtil; wer sie nicht kennt, kann sie nicht erkennen.
Vorwurf: „Das Spiel kann Betroffene retraumatisieren.“
Unsere Antwort: Eine Belastung kann bei keinem Präventionsangebot ganz ausgeschlossen werden. Deshalb empfehlen wir den begleiteten Einsatz und verweisen im Spiel und in der Begleitbroschüre auf Hilfsangebote. Die Abwägung zwischen Risiko und Nutzen haben Fachkräfte der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie mit langjähriger Erfahrung in der Prävention von sexualisierter Gewalt getroffen.
Vorwurf: „Kinder spielen ohne Begleitung.“
Unsere Antwort: Das Spiel richtet sich an Jugendliche und ist als Baustein für die Arbeit in Vereinen und Jugendgruppen konzipiert. Die begleitete Nutzung empfehlen wir schon immer und heben diese Empfehlung nun noch deutlicher hervor.
Vorwurf: „Wer Täterstrategien anwendet, kommt weiter.“
Unsere Antwort: Ein „Erfolg“ im Spiel ist nie ein Gewinnen. Er markiert den Moment, in dem die Dynamik vollständig sichtbar ist, und wird direkt negativ eingeordnet. Der Täter gewinnt nie.
Was wir daraus machen
Kritik hilft uns, besser zu werden. Konkret:
- Klarere Zielgruppe: Wir empfehlen das Spiel jetzt ausdrücklich ab 14 Jahren und für den begleiteten Einsatz, auf dieser Seite, auf der Startseite und in den App-Stores.
- Evaluation: Das Universitätsklinikum Ulm befragt Jugendliche und Betreuende, die das Spiel genutzt haben. Die Ergebnisse veröffentlichen wir hier.
- Eine Täterin: Ein Szenario mit einer weiblichen Täterin ist geplant, mit eigenen fachlichen Hintergrundinformationen.
- Dialog: Es ist geplant, das Spiel auf einer Fachtagung zur Diskussion zu stellen, einen geeigneten Rahmen suchen wir gerade.
Sprechen Sie mit uns
Sie setzen das Spiel ein oder haben Bedenken? Wir freuen uns über Rückmeldungen aus der Praxis, auch kritische.
Kontakt: siehe Impressum