Forschung

Uuugh ist nicht als einzelne Spielidee entstanden, sondern als Teil eines Forschungs- und Präventionsprojekts. Im vom Bundesfamilienministerium geförderten Projekt „Schutzkonzepte in der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ hat das Universitätsklinikum Ulm das Wissen zu Täterstrategien aufbereitet. Daraus haben wir gemeinsam mit Greater Games ein Spiel entwickelt und es in jeder Phase mit Jugendlichen getestet.

Die fachliche Grundlage

Täter*innen nutzen Strategien, um Übergriffe vorzubereiten, durchzuführen und zu verdecken. Im Spiel werden diese Strategien in fünf Phasen sichtbar, von der Suche nach einem geeigneten Ziel bis zur Anbahnung der Tat. Viele davon sehen auf den ersten Blick aus wie normale Vereinsarbeit: Smalltalk, Komplimente, Aufgaben im Training. Genau deshalb sind sie so schwer zu erkennen.

Das Spiel verfolgt drei Lernziele: Strategien erkennen, während sie passieren, wissen, wie man sich und andere schützt, und wissen, wann und wie man handelt. Alle Strategien und die passenden Schutz-Tipps sind hier zusammengefasst: Täterstrategien und Schutz-Tipps.

Forschungsethische Bewertung

Die Täterperspektive war von Anfang an eine bewusste und fachlich geprüfte Entscheidung. Vor der Entwicklung hat Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, das Vorhaben aus ethischer Sicht und mit Blick auf den Jugendschutz bewertet. Seine Stellungnahme lesen Sie hier vollständig.

So wurde das Spiel entwickelt

  1. 1Fachliche GrundlageGrundlage sind die beiden webbasierten Lernangebote des Projekts zu Täterstrategien und Schutzkonzepten, erarbeitet von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm.
  2. 2Interviews mit FachleutenVor der Entwicklung haben wir Chancen und Risiken der Täterperspektive in qualitativen Interviews mit Fachleuten abgewogen. Der Ansatz wurde dort nicht nur empfohlen, sondern als notwendig bewertet.
  3. 3PrototypEin erster Prototyp diente dazu, Spielgefühl, Tonalität und fachliche Genauigkeit gemeinsam zu entwickeln.
  4. 4Tests mit JugendgruppenErste Tests mit zwei Jugendgruppen zeigten, wo das Spiel schwer zu verstehen war. Bedienung und Erklärungen wurden daraufhin überarbeitet.
  5. 5Test bei einer JugendveranstaltungJugendliche zwischen 12 und 20 Jahren testeten das Spiel bei einer Veranstaltung in einem Jugendzentrum. Die Akzeptanz war hoch, unabhängig vom Geschlecht.
  6. 6Testrunde vor der VeröffentlichungJugendleitungen setzten das Spiel mit ihren Gruppen ein, unter anderem bei Pfadfindern, in offenen Jugendzentren, in kirchlichen Gruppen und beim Deutschen Roten Kreuz. Danach folgte eine zweiwöchige Überarbeitung.
  7. 7Prüfung und VeröffentlichungVor der Veröffentlichung im November 2025 wurde das Spiel von der USK geprüft. Es trägt außerdem das RAL-Gütezeichen Serious Games.

Ergebnisse der Testrunde vor der Veröffentlichung

An der letzten Testrunde nahmen 39 Jugendliche und junge Erwachsene sowie vier Jugendleitungen teil. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 74 %konnten nach dem Spielen mehrere Täterstrategien benennen, am häufigsten Komplimente und Lob zum Vertrauensaufbau sowie das Isolieren von Betroffenen.
  • 77 %hielten die Situationen im Spiel für realistisch, also für etwas, das so auch im echten Vereinsleben passieren kann.
  • 72 %gaben an, die Inhalte des Spiels gut verstanden zu haben.
  • 62 %sagten, das Spiel helfe ihnen, Täterstrategien im Alltag besser zu erkennen. Drei von vier Jugendleitungen sahen das ebenso.

Kritisch gesehen wurden vor allem die vielen Texte und dass sich das Spielen manchmal unangenehm anfühlt. Die Textmenge haben wir in jeder Runde neu abgewogen. Das Unbehagen ist gewollt: Es zeigt, dass das Spiel Abstand ermöglicht, ohne das Thema zu verharmlosen. Alle vier Jugendleitungen fanden die Begleitbroschüre verständlich und hilfreich für das Gespräch mit ihrer Gruppe.

Veröffentlichung

Die Ergebnisse wurden auf der GALA Conference 2025 (Games and Learning Alliance) vorgestellt und veröffentlicht. Das Paper wurde mit dem Best Paper Award ausgezeichnet.

Best Paper Award der GALA Conference 2025

Begleitforschung seit der Veröffentlichung

Seit der Veröffentlichung evaluiert das Universitätsklinikum Ulm das Spiel weiter. Dafür gibt es eine Befragung für Jugendliche und für Betreuende, die das Spiel eingesetzt haben. Die Ergebnisse veröffentlichen wir hier.

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme am Fragebogen:
https://befragungen.elearning-kinderschutz.de/index.php/768338?lang=de