Das Serious Game „Uuugh – Falsches Spiel“
Hintergrund und Ziel
Das Serious Game soll Kindern und Jugendlichen auf spielerische Weise zeigen, wie Täter vorgehen, damit sie gefährliche Situationen frühzeitig erkennen und richtig darauf reagieren können. Dabei wird kein Täterwissen vermittelt, sondern ein Verständnis dafür geschaffen, wie Täter ihre Strategien anwenden. Die Spieler*innen schlüpfen in die Rolle der Täter, um zu lernen, wie man manipulative Strategien erkennt und ihnen vorbeugt.
Kostenlose BegleitbroschüreUm Geschlechterstereotype zu vermeiden, werden Tiere als Spielfiguren genutzt. Dadurch wird eine spielerische Distanzierung ermöglicht, ohne sexuell explizite Inhalte zu zeigen. Unterstützende Lernmaterialien wie Hinweiskarten und der Eulenkodex bereiten die Spielinhalte auf und heben hervor, dass betroffene Kinder und Jugendliche niemals die Verantwortung tragen, wenn eine manipulative Person ihre Macht missbraucht.
Erste Rückmeldungen zum Serious Game „Uuugh – Falsches Spiel“ aus Playtests mit 12- bis 20-Jährigen waren positiv bezüglich der Vielfalt an Charakteren, der Atmosphäre und Grafik sowie der Benutzerfreundlichkeit. Das Serious Game wurde von beiden Geschlechtern gleichermaßen gut bewertet und das Thema von der Mehrheit der Spieler*innen gut erkannt.
Aufbau des Serious Games
Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene ab 12 Jahren.
Altersfreigabe/Altersempfehlung: Das Serious Game „Uuugh – Falsches Spiel“ orientiert sich an der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Dies ist eine freiwillige Selbstkontrolle für die Prüfung und Alterseinstufung von Videospielen.
Das Serious Game orientiert sich an der USK 12 und wird daher für Personen ab 12 Jahren empfohlen.
Spieldauer: 40-60 Minuten pro Szenario.
Kosten: Das Serious Game kann aktuell kostenfrei angeboten werden. Es gibt keine kostenpflichtigen Zusatzinhalte (Kostenfallen).
Geräte/Plattform: Das Serious Game ist spielbar auf Pcs und mobilen Geräten (Android, iOS).
Es wurde ein Datenschutzkonzept entwickelt, um über den Umgang mit und die Verarbeitung personenbezogener Daten zu informieren.
Exkurs: Welche Perspektive nehmen die Spieler*innen ein? Warum wurde diese gewählt?
Täter. Im Serious Game nehmen Spieler*innen die Rolle als Akteur des Täters ein. Spielerisch wird versucht, mithilfe manipulativer Strategien und Interaktionen Personen von ihrer Gruppe zu isolieren und in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen, um einen Übergriff zu ermöglichen. Dadurch erhalten Kinder und Jugendliche die Chance, die im Serious Game vermittelten Strategien besser zu identifizieren und im wirklichen Leben aufzudecken.

Bei der Gestaltung der Charaktere wurde eine Ästhetik im Sinne einer „Fabelwelt“ mit Monstern und Tieren gewählt, um einerseits Genderstereotypen zu vermeiden bzw. zu umgehen und die Konzentration auf das Machtungleichgewicht und manipulative Beziehungsgestaltung zu lenken. Zudem wird durch die tierische Gestaltung eine spielerische Distanzierung ermöglicht und somit können auch sexuell implizierte Handlungsabläufe vermieden werden.
Der Fokus im Serious Game liegt auf Strategien der manipulativen Machtausübung und deren Demaskierung, sodass Spieler*innen aktiv in die Handlung involviert werden. Anhand der Vermittlung der Täterstrategien sollen folgende Fragen für Kinder und Jugendliche geklärt werden:
- Wie gehen Täter vor?
- Woran kann ich Täterstrategien erkennen?
- Was kann ich tun, um mich und andere zu schützen?
Um dies zu verstehen, verwandeln wir die Spieler*innen. Sie schlüpfen in die Rolle des Täters und spielen das Serious Game aus dessen Sicht.
Es werden verschiedene didaktische Strategien zur Vermittlung dieser Inhalte im Serious Game eingesetzt. Im Folgenden werden diese Strategien und ihre beabsichtigten Ziele kurz dargestellt:
Trailer

Screenshots
Didaktik
Im Serious Game erfolgt die Wissensvermittlung über Täterstrategien durch gezielte Offenlegung dieser Strategien und des Vorgehens des Täters. Nach Abschluss eines Szenarios werden Hinweiskarten präsentiert, die die im Szenario verwendeten Täterstrategien erläutern. Dies hilft den Spieler*innen, die Hintergründe dieser Strategien zu verstehen und sie besser (auch im realen Leben) zu erkennen. Diese Strategien können immer im Notizbuch eingesehen werden.
Im Hinblick auf den Schutz vor (sexualisierter) Gewalt geht es außerdem darum, den Spieler*innen Schutzmaßnahmen zu vermitteln, die ihnen helfen, Strategien gegen manipulative Absichten von Tätern zu entwickeln. Zu diesen Schutzmaßnahmen gehören beispielsweise das Verständnis von Konsens und das Erkennen sexualisierter Sprache. Die schützende Wächtereule tritt immer wieder im Serious Game auf und greift unterstützend ein. Sie gibt Hinweise, worauf geachtet werden sollte, um (sexualisierte) Gewalt zu verhindern, und erläutert, welche Verhaltensweisen in diesem Kontext auffällig erscheinen können. Diese Hinweise werden im Eulenkodex gesammelt.
Anleitung
Spielvorbereitung
Das Serious Game beginnt mit der Hintergrundgeschichte, die verdeutlicht, dass selbst im scheinbar perfekten Umfeld eines Vereins Personen existieren, die bereit sind, ihre eigenen Interessen durchzusetzen und dabei Grenzen zu überschreiten, wodurch sie zu Tätern werden. Die Spieler*innen schlüpfen in die Rolle eines Trainers, der neu im Verein ist. Dieser Trainer stellt im Serious Game den Täter dar, symbolisch als Wolf dargestellt und versteckt sich sprichwörtlich hinter einer Hasenmaske. Für die Spieler*innen bedeutet dies, dass sie ihre Aufgaben im Serious Game stets strategisch und überlegt durchführen müssen, um nicht entdeckt zu werden.
Um einen ersten Einblick in das Serious Game zu gewinnen, führt zu Beginn ein Tutorial die Spieler*innen auf einfache und interaktive Weise in das Serious Game ein. Dabei wird durch den Spielablauf geführt sowie die Spielmechaniken und wichtigsten Befehle und Interaktionen anschaulich erklärt. Anschließend kann das erste „Szenarioooohh“ ausgewählt und direkt losgespielt werden.

Durchführung
Nachdem das Szenario ausgewählt wird, erfolgt die „Verwandlung“ und die Maske wird aufgesetzt. Das Serious Game beginnt.

Achtung: Wenn nur wenige Figuren einen starken Verdacht oder Beweis für unangemessenes Verhalten haben, beginnt die Maske zu bröckeln, und ein Teil des „wahren Gesichts“ wird sichtbar. Dasselbe passiert, wenn viele Personen einen (wenn auch geringen) Verdacht haben.
Im Serious Game versetzen sich die Spieler*innen in den Alltag einer ehrenamtlichen Organisation und durchlaufen dabei verschiedene Phasen, wie etwa die Zeit vor, während und nach einem Training. Nach Ablauf einer Phase startet automatisch die nächste, die jeweils durch Bilder angekündigt wird. In der linken oberen Ecke des Bildschirms wird angezeigt, in welcher Phase man sich gerade befindet.
Im Serious Game werden den Spieler*innen verschiedene Aufgaben gestellt, die erfüllt werden müssen, um das Serious Game erfolgreich zu meistern. Eine dieser Aufgaben besteht darin, die Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Gruppe aufzudecken. Das bedeutet, herauszufinden, wer gut in die Gruppe integriert und wer möglicherweise weniger gut eingebunden ist. Diese Informationen sind entscheidend, um zu verstehen, wie die Dynamik innerhalb der Gruppe funktioniert und wie die einzelnen Mitglieder miteinander interagieren.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, tritt man mit den Figuren in Interaktion und wählt aus verschiedenen Handlungen. Beispielsweise kann die Aufgabe bestehen, drei Beziehungen zwischen neuen und alten Mitgliedern aufzudecken. Dies kann helfen, zu erkennen, welche Mitglieder besser integriert sind und welche möglicherweise eine Angriffsfläche für den Täter bieten könnten. Falls unklar ist, was zu tun ist, kann im Notizbuch nachgesehen werden.

In den Phasen vor und nach der Aktivitätsphase unterhalten sich die Mitglieder. Aber auch der Trainer der durch die Spieler*innen gesteuert wird, kann sich mit den Teammitgliedern unterhalten, sie beobachten oder ihren Unterhaltungen lauschen. So kann man einzelne Figuren und das Team besser kennenlernen und Informationen über die Mitglieder sammeln.
Aktivitätsphase
In dieser Phase führt die Gruppe gemeinsam Übungen durch. Einzelne Figuren oder die gesamte Gruppe können aufgefordert werden, praktische Übungen zu absolvieren, wobei auch Komplimente für gute Leistungen gegeben werden können. Es ist auch möglich, einzelne Figuren oder die gesamte Gruppe zu kränken und herunterzumachen, was Einfluss auf das Verhalten und die Dynamik im Spiel haben kann. Um direkt mit einem Teammitglied zu interagieren, kann es angeklickt werden, um zwischen verschiedenen Handlungen auszuwählen und Informationen über die Figur zu erhalten.
Die Informationen über die Vereinsmitglieder, wie zum Beispiel Hobbys oder Geheimnisse, werden in einem Notizbuch festgehalten. So können diese jederzeit eingesehen werden. Durch Gespräche und Beobachtungen kann auch versucht werden, herauszufinden, wer, wen mag und ob es isolierte Mitglieder gibt.
Eine Aufgabe vor der Gruppe zu erledigen, stärkt das Selbstwertgefühl. Es besteht die Möglichkeit, isolierte Mitglieder zu integrieren, indem Komplimente während eines Gesprächs mit jemand anderem gemacht werden. Alternativ kann die gesamte Gruppe gelobt werden, was zu Freude und Zufriedenheit bei allen führen sollte. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Personen gezielt zu kränken oder sie vor anderen herunterzumachen, um sie weiter zu isolieren, was ebenfalls die Dynamik innerhalb der Gruppe erheblich beeinflussen kann. Die Reaktionen der einzelnen Mitglieder auf diese Interaktionen können jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. So kann eine Figur beispielsweise negativ auf bestimmte Anweisungen reagieren, während eine andere Figur die gleiche Handlung äußerst positiv aufnehmen kann.
Achtung: Wenn nur wenige Figuren einen starken Verdacht oder Beweis für unangemessenes Verhalten haben, beginnt die Maske zu bröckeln, und ein Teil des „wahren Gesichts“ wird sichtbar. Dasselbe passiert, wenn viele Personen einen (wenn auch geringen) Verdacht haben.

Abends zu Hause
Zu Hause am Abend können die Interaktionen mit den Gruppenmitgliedern überprüft und es kann eingesehen werden, mit wem wie viele Interaktionen stattgefunden haben und wie viele davon erfolgreich waren. Zudem lässt sich feststellen, wie viele Freunde die Gruppenmitglieder haben und wie gut sie in die Gruppe integriert sind. Alle gesammelten Informationen sind im Notizbuch festgehalten.
Diese Informationen zeigen soziale Isolation oder Abhängigkeiten der Mitglieder auf, die Täter ausnutzen könnten, um sie zu beeinflussen oder zu manipulieren. Dadurch können Täter gezielt Schwachstellen finden und ihr Vorgehen anpassen.
Ende des Serious Games
Das Serious Game endet, wenn der Verdacht zu groß wird und das Verhalten aufgedeckt wird (Game Over), oder wenn die verschiedenen Aufgaben erfolgreich absolviert und das Szenario abgeschlossen ist.
Je nachdem, wie die Strategien eingesetzt wurden, kann der Täter seine Macht erfolgreich und unentdeckt ausnutzen, oder sein Fehlverhalten wird aufgedeckt. Insgesamt vermittelt das Serious Game jedoch die Botschaft, dass die Figur des Täters langfristig nicht ungestraft mit ihrem Vorgehen davonkommt und letztendlich immer entlarvt wird.
Wichtige Symbole im Serious Game
Einzelne Symboliken, die im Serious Game vorkommen, werden im Folgenden nochmals erläutert:












In der linken unteren Ecke wird die Aufgabe angezeigt, die aktuell erfüllt werden muss, um im Szenario voranzukommen.


































